Erfahrungsspektrum

Das mögliche Erfahrungsspektrum des holotropen Atmens umfasst die gesamte seelische Struktur, die nach der 'Kartographie der Psyche' von Stanislav Grof nicht nur aus den biografischen Erfahrungen, sondern ebenso aus perinatalen Eindrücken des eigenen Geburtserlebnisses sowie transpersonalen Erfahrungen besteht. Hinzu kommt gemäss Jahrsetz der Bereich des 'aktuellen Unbewussten'. Ausserdem gibt es Erfahrungen mit einer erhöhten sensorischen Wahrnehmungsfähigkeit. 

AKTUELLE UNBEWUSSTE

Die Menschen sehen sich selber, und andere, durch gesellschaftliche Konditionierung in multiplen Rollen und Identifizierungen. Dies geht soweit, dass die persönliche Identität als ein Produkt dieser Rollen und Identifikationen angesehen, sowie getrennt von ihrer eigenen Kraft erfahren werden kann. Dergestalt leben und funktionieren Menschen in einer 'Konsensus-Trance' (Charles Tart). In holotropen Prozessen ist dies direkt erfahrbar. 

The Guest House

This being human is a guest house.

Every morning a new arrival.

 

A joy, a depression, a meanness,

some momentary awareness comes

as an unexpected visitor.

 

Welcome and entertain them all!

Even if they're a crowd of sorrows, 

who violently sweep your house

empty of its furniture,

still, treat each guest honorably.

He may be clearing you out

for some new delight.

 

The dark thought, the shame, the malice,

meet them at the door laughing,

and invite them in.

 

Be grateful for whoever comes,

because each has been sent

as a guide from beyond.

Rumi

BIOGRAFISCHE ERFAHRUNG

Sämtliche Erlebnisse seit der Geburt bis zum heutigen Zeitpunkt gehören in den biografischen Bereich und können in holotropen Prozessen erfahren werden, unabhängig davon, ob diese im klassischen Sinne verdrängt im Unterbewussten oder sehr präsent sind. Es tendieren die Szenen und Momente aufzutauchen, die noch nicht endgültig verarbeitet werden konnten. Diese werden ganzheitlich, mit allen Sinnen auf psychischer, emotionaler und körperlicher Ebene wiedererlebt, und nicht bloss erinnert, was der Psyche die Möglichkeit gibt, diese 'Gestalt' abzuschliessen. 

PERINATALE ERINNERUNGEN

Es ist der Verdienst von Stan Grof den enormen Einfluss der intrauterinen Zeit zwischen Empfängnis und der Geburt auf das alltägliche Befinden erkannt zu haben. In holotropen Prozessen kann das eigene Geburtserlebnis wiedererfahren werden, häufig geschieht dies auch in mythologischen und archetypischen Symbolen. Damit bildet dieser perinatale Zeitraum eine Brücke zwischen dem Personalen und dem Transpersonalen. Grof unterscheidet vier perinatale Grundmatrizen (PGM, engl. basic perinatal matrices BPM), die sich am effektiven Geburtsprozess anlehnen. 

Freud once compared the psyche to an iceberg. He announced that what we had thought was the totality of the psyche - the conscious ego - was only its tip. Psychoanalysis, according to Freud, revealed the hidden part of the psyche, the individual unconscious. Taking Freud's simile further we can say that classical psychoanalysis discovered only the tip of the iceberg, while psychedelic research uncovered depths of the human psyche that had remained concealed even to traditional psychoanalysts. As mythologist Joseph Campbell whimsically put it: "Freud was fishing while sitting on a whale."

Stan Grof

PGM I

Die erste perinatale Grundmatrix bezieht sich auf den Zeitraum zwischen Empfängnis und dem Einsetzen der Wehen. In der Erfahrung des Fötus einer gesunden Schwangerschaft sorgt das gesamte existierende Universum für Wärme und Nahrung. PGM I kann dann als paradiesischer, ozeanischer Zustand der undifferenzierten Einheit wahrgenommen werden. Bei Schwierigkeiten in der Schwangerschaft zeigt sich dies hingegen eher in Bildern einer vergifteten Umwelt.

PGM II

PGM II beginnt mit dem Einsetzen der ersten Wehen bis zum Öffnen des Muttermundes. Das Umfeld wird lebensbedrohlich, unbekannte Kräfte zwängen den Fötus ein und scheinen ihn zu erdrücken. Durch den noch geschlossenen Muttermund gibt es keinen Ausweg. Dieser Zustand wird häufig in den unterschiedlichsten Bildern einer metaphysischen Hölle erfahren, es können sich die gesamten menschlichen Erfahrungen der Ausweglosigkeit und Hoffnungslosigkeit, die 'Dunkle Nacht der Seele' (Johannes vom Kreuz), zeigen.

PGM III

In PGM III hat sich der Muttermund geöffnet und der Fötus bewegt sich durch den Geburtskanal. Die Wehen wirken als starke mechanische Kräfte, häufig begleitet von Schmerzen und gefährlichem Sauerstoffmangel. Neben realistischem Wiedererleben zeigen sich Bilder von Naturgewalten und menschlichen Aggressionen bis hin zu Begegnungen mit dämonischen Elementen. Auch können intensive sexuelle Inhalte sowie Episoden mit skatlogischen Elementen auftreten. 

PGM IV

PGM IV bezeichnet die eigentliche Geburt und das Durchtrennen der Nabelschnur. Hier wird das immer wider auftretende Motiv von Tod und Wiedergeburt angesiedelt: Der Fötus 'stirbt' als intrauterines aquatisches Wesen und wird 'wiedergeboren' als terrestrischer, atmender Säugling. 

TRANSPERSONALE ERFAHRUNGEN

Grof ergänzt seine 'Kartographie der Psyche' mit einem weiteren Bereich von Erfahrungen, in denen das Bewusstsein die Grenzen des Körpers und des Ich, der linearen Zeit und des dreidimensionalen Raums überwindet. Diese transpersonalen Erfahrungen sprengen die Begrenzungen von Dualität und Polarität sowie der Logik. Dies kann zur Erfahrung der Identifikation mit anderen Personen oder Personengruppen über alle Zeiten hinweg, mit anderen Lebensformen und sogar mit anorganischen Elementen führen. Transpersonale Erfahrungen können mit archetypischen Bildern und mythologischen Wesen und Symbolen aus allen Kulturen und Zeiten zu tun haben.